Cäci Journal

Die Cäci Schülerzeitung

Kleine Kritzeleien

Randzeichnungen - Ein Steckbrief

  1. Was? Randzeichnungen. Zeichnungen am Rand (weiter in 2.). Auch Randkritzeleien genannt – wertet somit die einzelnen Darstellungen ab oder auf: „Zeichnungen“ weisen ihnen künstlerischen Wert zu, „Kritzeleien“ eher das Gegenteil.
  2. Wo? Am Rand (siehe 1./Name). Da der Ort der Zeichnungen/Kritzeleien (vgl. 1.) explizit im Namen der R. erwähnt wird, weißt es darauf hin, dass es wichtig für die besonderen Eigenschaften der R. ist, das sie sich am Rand befinden. Hauptsächlich an den Rändern zu bearbeitender Arbeitsblätter, Unterrichtsmitschriften, Hausaufgaben. Nebengattungen wie Telefonkritzeleien/-zeichnungen oder allgemein Kritzeleien/Zeichnungen befinden sich meist auch auf Papier, aber nicht am Rand. Neben Papier, dem eigenen oder dem des Sitznachbarns, wird auch oft Haut oder ein Tisch als Darstellungsmedium gewählt. Die Tätigkeit: in der Schule, zu Hause, auf öffentlichen Toiletten (vgl. Limericks/ Wandzeichnungen)
  3. Wann? Hauptsächlich während des Unterrichts. Gelegentlich aber auch später, beim anderweitigen Beschäftigen mit Schulaufgaben, z.B. beim Hausaufgabenmachen.
  4. Wie? Mit einem Stift. Eventuelle Abweichungen kommen aber vor.
  5. Wer? Menschen, die wissen, dass ein Stift Farbspuren hinterlassen kann. In unserem Fall besonders Schüler. Aber auch Lehrer und andere Menschen (vgl. Telefonkritzeleien)
  6. (Wieso, Weshalb) Warum? Weil man gerne Artikel liest, in denen man Sachen wiederfindet, die man selber macht.

Man kann sagen: „Ich habe schon einmal eine Randzeichnung gemacht“ – sagt aber kaum jemand. Eher niemand. Die meisten sagen dann eher so was wie „oh ja, da hatt’ ich letztens so ne totaaaal langweilige (hier Fach einsetzen) Stunde, da habe ich so ein bisschen auf meinem Block rumgekritzelt. ... Quatsch, das stimmt auch nicht. Man spricht doch nicht über Randzeichnungen! Sie sind fast schon unterbewusst. Also nicht so, dass man am Ende der Stunde plötzlich so Kritzeleien im Heft bemerkt, und Paranoias entwickelt, weil man einfach nicht weiß, woher sie kommen. Wir wissen schon, dass wir grad „zeichnen“... oder eher „kritzeln“, wir wollen Abstand von einem eventuellen künstlerischen Wert unserer Produktionen nehmen, Kunst entsteht doch nur, wenn man sich richtig ransetzt, ein einzelnes, neues Blanko-Papier nimmt. Und nicht nur Formen... Wir wissen, das wir grade was tun, man kann ja nicht zeichnen, ohne darüber nachzudenken (das geht nur beim Reden... nein auch nicht... man denkt immer, oder?), aber wir verwenden nur einen wirklich sehr kleinen Teil für den Befehl „Stift auf Papier aufsetzen... Bewegen...“... wir sind mit dem Hirn wirklich höchstbeschäftigt. Eventuell mit dem Lösen einer Aufgabe, oder eben „Abschweifen“: an den Schwarm denken (auch Band), an ein Problem, an ein anstehendes oder vergangenes Ereignis usw. oder man philosophiert über die Zeit... warum sie manchmal so langsam verstreicht... Langeweile heißt doch nicht Nichts denken. Nur sich mit etwas anderem beschäftigen wollen... und dies gedanklich auch tun.

Ich habe ein bisschen rumgefragt, „Darf ich mal eure Blöcke angucken, ob ihr Randzeichnungen habt?!?“ - manche hatten wirklich keine. Also keine Randzeichnungen, Blöcke sind doch sehr vertreten in der Schule (nicht so sehr wie Mappen oder Hefte...) Wundert mich! Wirklich. Vielleicht melden die sich die ganze Zeit? Oder sie denken, ohne zu kritzeln. Wie im Kino, beim Sitzen braucht man auch eine Nebenbeschäftigung. Popcorn... unsere Augen brauchen wir ja beim Film, da würden Kinostuhlkritzeleien so gar nicht gehen. (und selbst bei den spannensten, fesselsten Stellen essen wir!) Im Unterricht geht das nicht mit dem Popcorn oder dem Sitznachbarn – obwohl, Briefchen schreiben! Oder schriftliche Dialoge oder Kommentare. Oder es werden Zeichnungen auf Extrablättern angefertigt. Dann muss man die hochwertigen Zeichnungen nicht mit dem Schulmaterial wegschmeißen... bzw. kann sie anders einordnen als unter „Mathe“.

... Wie kannst du deine Zeichnungen/Kritzeleien einordnen? Ich habe mal versucht, „Randzeichnungen“ in verschiedene Gruppen einzuteilen. (Sind das jetzt „Randgruppen?;) )

1. Tick-Tack... Tick-Tack...

Die Zeit ist fortschreitend... alles fließt... Panta rhei... Hinter mir ist ein immer größerer Teil der Stunde... Vor mir ein immer kleinerer... Tick... Tick... Tick... fast schon ein Rhythmus... ich entwickle etwas... die Zeit entwickelt sich... Die Zeichnung wird immer größer, die Art und Weise ändert sich nicht. Meist wird etwas mehrfach ausgeweitet oder umrandet... oder ein Muster auf einer großen Fläche verteilt. Die Zeit entwickelt sich, ohne dass sich das Tun entwickelt, es wird nur mehr, summiert sich auf. Einfache Zeitbeschäftigung mit Weigerung, die Zeit sinnvoll zu nutzen, die Zeit soll vergangen sein. Pause, ich liebe dich.

2. (Name) ist... in Gedanken bei dir

Gedankenbezugsperson wird mehrfach aufgezeichnet. Zeichner beschäftigt sich anscheinend intensiv mit dieser Person (und anscheinend nicht mit dem Unterricht) oder will Fan-Sein ausdrücken (Bandlogos). Person wird auf mehrere Arten und Weisen gedeutet, da ihr Name in verschiedener Form oder auch die Person selbst (meist nur in definierenden Teilen) gezeichnet wird. Kann ein positiver oder negativer Bezug sein, auch anwesende Leute (wie Lehrer) betreffen. Oder es ist der generelle Gemütszustand.

3. „Grrr! / Hach...“

Zeichner ist verliebt, böse, genervt usf. denkt an den Grund und drückt dies aus. Unterbewusst?!?

4. Ich könnte die Zeit nutzen, um mich zu entwickeln...

„Ich unterschreibe immer in meiner normalen Handschrift, das könnte ich doch ändern...“

5. Brainstorming ohne Plan

-vgl. Dadaismus? (Kunstform, erscheint zusammengewürfelt) Hier das... da dies... ich kann mich nicht konzentrieren... will aber was entwickeln...

6. Ich muss mich auf deinem Heft festhalten

„Anschreiben“ (vgl. ICQ) „Mein Sitznachbar ist interessant... Hmm, vielleicht hat er ja ein Thema, wen interessiert schon dieser Unterricht! ...Das Heft meines Sitznachbarn sieht so leer aus... Ich WILL mich aber mit ihm beschäftigen, und dass er sich mit mir beschäftigt... das ist Zeit, die wir gemeinsam nutzen können... und LOS!“

7. Nehmen, was da ist

Es wird kein leerer Platz „kreativ“ befüllt- man richtet sich eher nach immer wieder auftretenden unkreativen Methoden - Eher Vorhandenes verändert. Meist dadurch ein wenig entehrt. Soll destruktiv den anderen die eigene Langeweile sichtbar machen.

Kategorie: Schule

Tags: Randzeichnungen, Kritzeleien, Zeichnungen

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Zu diesem Artikel wurden bereits 3 Kommentare geschrieben:

  • Jana Stern

    Montag, 30. August 2010, 19:28 Uhr

    Passend zum Schulbeginn eine Anregung zum (un)sinnvollen Stundenfüllen. Gut auf den Punkt gebracht!
  • Sebastian Schmidt

    Montag, 30. August 2010, 20:06 Uhr

    Na ja, vielleicht nicht gerade auf den Punkt gebracht ;-)
    Aber dafür sehr interessant und gut zu lesen - Randzeichnungen einmal anders betrachtet!
  • Pia

    Montag, 30. August 2010, 22:49 Uhr

    huhu!
    uiuiui, das wird ja immer schöner hier!
    sehr gut den artikel reingemacht hier, format und alles. juhu!
    grüße!

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