Cäci Journal

Die Cäci Schülerzeitung

Ich habe ein Motivationsproblem, bis ich ein Zeitproblem habe.

Der lange und beschwerliche Weg

Eben habe ich mit einer guten Freundin telefoniert – sie hatte mich angerufen, war gerade am lernen und wollte etwas wegen Mathe nachfragen. Aber: In diesem doch längerem Gespräch haben wir Mathe an sich eigentlich total vergessen, haben nur immer und immer wieder festgestellt, das Lernen echt ganz schön nervig und anstrengend ist und man eigentlich den größten Teil der fürs Lernen vorgenommenen Zeit damit verbringt, sich auf das Lernen vorzubereiten. Irgendwann am letzten Abend vor der Arbeit, Klausur oder dem Test fängt man dann an. Ich persönlich müsste auch für ne Arbeit lernen, aber: man kann doch auch darüber rumphilosophieren, dass man immer so spät anfängt.

Beim wohlbekannten Schüler-vz, einer wirklich sehr beliebten Lern-Ablenkung, gibt es eine beliebte und oft kopierte Gruppe: „Ich habe ein Motivationsproblem, bis ich ein Zeitproblem habe“ – bringt’s auf den Punkt, oder? Die größte Gruppe hat über 6000 Mitglieder! Ist also, aber nicht nur deswegen, ein weit verbreitetes Phänomen... Ich habe mal ein paar der Plagiate durchgeforstet und bin auch auf eine gestoßen, die nicht nur aus dem Namen, sondern auch einer Beschreibung besteht: „Scheiß lernen!! Tests sind Selektionsmittel und sagen nichts über mein wahres Potential aus. Auch faule Menschen sind intelligent.“ (Ich nenne jetzt keine genauen Quelle, da es nicht zuletzt wegen „flegelhafter Ausdrucksweise“ ein bisschen peinlich für den Autoren werden könnte) Oh! Da ist aber jemand gegen Schule. Schule ohne Lernen wäre doch wie ganz normales Freundetreffen. Ok, geb ich zu klingt verlockend, aber genauso kann man zu denen, die die These „Kiffen hemmt die Entwicklung“ als Blödsinn abstempeln, sagen, dass sie zwar neue Erinnerungen sammeln, sich daraus aber nicht weiterentwickeln, nicht erwachsen werden – nichts lernen. Natürlich wäre Schule ohne Lernen eine angenehme Beschäftigung. Aber dann wär sie absoluter Blödsinn. Du kannst nicht deine Traumspiele programmieren, wenn du nicht lernst, was eine If-Schleife ist, und du kannst auch nicht Rockstar werden, wenn du keine Akkorde kennst. Aber zu der seltsamen Gruppen-Beschreibung: Klar sind Tests Selektionsmittel. Aber ein Abi ist nicht nur bedrucktes Papier, sondern qualifiziert dich wirklich! Man entwickelt sich einfach nicht weiter, wenn man etwas nicht wiederholt und – Wissen in seinen Kopf reinprügelt. Durch z.B. Matheaufgaben und auch andere Konfliktlösungen wird unser Denken stark geschult. Ok, vieles brauchen wir nicht mehr, aber in dem ihr diese Zeitung lest, zeigt ihr, dass ihr wenigstens eins von der „bösen“ Schule gelernt habt: Lesen...

Klingt blöde, wenn ich jetzt die ganze Zeit darüber schreibe, warum Lernen eigentlich eine gar nicht so schlechte Idee ist. Nehmen wir jetzt einmal an, wir finden, Lernen ist gut und gute Noten sind auch gut und wir wollen nicht nur Müllaufheber werden: Da ist immer noch unsere Faulheit. Lernen ist nicht so eine schöne passive Berieselung wie Fernsehngucken, es ist anstrengend und langweilig (meistens... also manchmal). Texte mit vielen Fremdwörtern und ohne Bilder, irgendwelche Daten, Formeln. Außerdem gesteht man sich, wenn man anfängt zu lernen, selbst ein, dass man etwas nicht perfekt kann, also nicht perfekt ist. Aber wir sind doch der besonderste Mensch unter allen? Ok, im Unterricht war das Gespräch mit dem Sitznachbarn oder Gedanken an die Tagesplanung eben dringender. Aber jetzt sitzt man davor, sich die Zeit fürs Lernen einzuteilen. In einer Woche Arbeit, ok, dann lern ich jetzt jeden Tag 20 Minuten und dann gibt’s kein Stress. Und plötzlich ist es dann der Tag vor der Arbeit, den ganzen Schultag denkt man sich, Mist, noch nicht gelernt, heute habe ich keine Freizeit, das wird noch so viel. Aber dann: zuhause angelangt, erstmal hinsetzen, man muss sich ja erstmal von dem harten Schultag ausruhen. Sonst funktioniert das Gehirn ja auch gar nicht. Und was essen – Gehirn braucht Närstoffe, ok vorher noch mal einkaufen, brauch was ganz leckeres zum Essen und fürs Lernen noch Süßigekeiten. Beim Essen: Nein, ich lerne nicht beim Essen, dann spritz’ ich noch die Bücher voll. Lieber Fernsehen gucken. Den man dann auch nicht so schnell ausschalten kann.... Der Schreibtisch, lange nicht benutzt, muss erst mal aufgeräumt werden. ... Ich möchte erst mal die anderen Hausaufgaben erledigen, das Lernen ist ja heute das, was ich bis zum ins-Bett-Gehen machen will.

Und so weiter und so fort. Ich habe mal von einer Studie gehört, in der festgestellt wurde, dass manche Studenten ihre kleine WG sogar super blitzeblank aufräumen, weil sie einfach nicht mit dem Lernen anfangen können. Wollen wir mal ein paar Bedingungen festhalten, von denen wir denken, das sie für das „perfekte Lernen“ erfüllt sein müssen, deren Erfüllung uns aber am Meisten vom Lernen abhält:

  • Keinen Hunger (tolles Menü zubereiten)
  • Entspannt sein (Fernsehn gucken, PC, ...)
  • Wach sein (Mittagsschlaf machen)
  • „Guter Arbeitsplatz“ (ALLES aufräumen und putzen)
  • Danach nichts mehr zu tun haben (ALLE Hausaufgaben machen, bei denen man dann auch noch faul ist).
  • Keine anderen Gedanken/Probleme im Hinterkopf haben (telefonieren, Tagebuch schreiben, rumsitzen und aus dem Fenster starren).
  • Alle Lernmaterialien zusammen haben (suchen, suchen, suchen, auch im internet, wobei man natütlich auf sehr viele andere Sachen stößt...).

Und wenn es soweit ist:

  • Mitschüler könnten es besser wissen (anrufen).
  • Das Gehirn kann ja nur 45 Minuten lang „optimal“ lernen. --> Pause (Pause. Und weiter Pause... und weiter...)

Selbst wenn man lernen will, lenkt einen viel zu viel davon ab. Ich persönlich lerne dann sogar andere Sachen - wie zum Beispiel schwierige Sachen mit Instrumenten, da dürfen die Finger ja auch nicht einrosten. Danach ist das Gehirn dann wieder so erschöpft, dass wieder eines kommt: Pause...

Hausaufgaben sind ja auch eine kleine Form des Lernens, vor denen man sich auch ganz gerne drückt. Aber Lernen für Arbeiten – viel schwerwiegender – davor drückt man sich irgendwie viel mehr. Ist ja ganz schön viel wichtiger: Lernt man schlecht, schreibt man eine schlechte Arbeit. Viel zu viel Erfolgsdruck an sich selbst, Verantwortung, „Last auf den Schultern“. Jean-Paul Sartre (ein cooler Philosoph) hat mal gesagt, wir sind „verurteilt zur Freiheit“. Heißt, wir müssen für einfach alles, was wir tun (oder auch nicht tun, in diesem Falle) die Verantwortung tragen. Es gibt keine Entschuldigung. Theoretisch könnte man direkt nach der Schule, mit einem eben geschmierten Brot, anfangen zu lernen. Man ist schließlich noch ein bisschen in dem Lernprozess drinne, und ist ebenfalls schon ein wenig ausgeruht (von der Heimfahrt). Theoretisch. Ich persönlich müsste, eigentlich, auch gerade Lernen, schreibe aber stattdessen einen Artikel darüber, dass es so lange dauert endlich damit anzufangen. (Kein Wunder, dass der so lang geworden ist, was? Ist übrigens auch in Anlehnung an Janas Artikel Kann man ohne Lehrer besser lernen? entstanden. Ich vertrete da die Auffassung, dass man einfach einen Schubs braucht, sonst würde man einfach nicht vorankommen.)

Kategorie: Schule

Tags: Schule, Klausuren, lernen, Motivation

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Zu diesem Artikel wurden bereits 2 Kommentare geschrieben:

  • Jana

    Montag, 14. Juni 2010, 17:26 Uhr

    Verurteilt zu Freiheit, so sieht's aus. Ein lesenswerter Artikel. :)
    Und jetzt sind erst einmal Ferien! :D
  • Sebastian Schmidt

    Dienstag, 14. September 2010, 09:49 Uhr

    Ich kenne das hier beschriebene Phänomen aus eigener Erfahrung nur zu gut: Gerade habe ich eine Freistunde und wollte eigentlich an einer Zusammenfassung arbeiten, aber stattdessen stöbere ich in den Artikeln der Schülerzeitung ;-)

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