Cäci Journal

Die Cäci Schülerzeitung

Musik und der Charakter der Menschen

Musikalische Freundschaft

  • Stand: Sonntag, 23. Mai 2010
  • Autor(en): Jana Stern

Es gibt Menschen, mit denen man mehr gemeinsam hat und Exemplare dieser Spezies, bei denen dies weniger der Fall ist.

Besonders leicht zu erkennen ist das bei Hobbys und dort vor allem bei Sportarten und Musik. Gut, man kann unterschiedliche Sportarten präferieren und wird sich trotzdem gut verstehen. Der Sport wird in einem anderen Umfeld betrieben und was bleibt, ist die Begeisterung für die Bewegung zwecks Fitness und Entspannung.

Doch was ist mit Musik? Wenn es unmittelbar um den Geschmack und das persönliche Empfinden geht?

Sind sich Menschen, die zur selben Lieblingsband mitgrölen auch in anderen Aspekten ähnlich, sind sie automatisch auf einer Wellenlänge? Gibt es Parallelen zwischen Charaktereigenschaften bei Menschen, die ähnliche Musik bevorzugen? Ebenso andersherum: Kann man langfristig das (in seinen eigenen Ohren) merkwürdige Gedudel ertragen, das für den besten Freund musikalische Perfektion bedeutet?

Musik erschafft und spaltet Freundschaften, sie führt zu Liebesgefühlen oder weckt leise Zweifel an der Angebeteten. Kann, darf, soll man Menschen nach ihrem Musikgeschmack beurteilen? Denn über Geschmack lässt sich nicht streiten. Oder? Dazu muss erst einmal geklärt werden, was Musikgeschmack eigentlich ist und wie er entsteht.

Was das angeht, stehen sich zwei Theorien gegenüber. Das eine Extrem stellt die Theorie T. W. Adornos dar, die den Musikgeschmack als etwas beschreibt, das vom sozialen Umfeld maßgeblich beeinflusst wird und gegen das das Individuum sich kaum wehren kann. Auf der anderen Seite gibt es die Vorstellung der Musik als Mittel zur Selbstisolation im positiven Sinne, zur Selbstfindung und Selbstdefinition besonders im Teenageralter.

Die letztendliche Geschmacksbildung scheint eine Mischung aus beidem zu sein. Einerseits werden wir davon geprägt, was im unmittelbaren Umfeld gehört wird und was wir dadurch kennenlernen und andererseits ist für die meisten Menschen die Musik auch ein Weg ihre Persönlichkeit zu definieren und sich als individuelles Wesen, eben als Individuum abzugrenzen von der allgemeinen Masse.

Fest steht, dass es unzählige Musikgeschmäcker gibt. Und nach eben diesen ordnet die Website Last.fm.

Sie findet Menschen, die offensichtlich einen ähnlichen Musikgeschmack haben und macht sie zu ‚Nachbarn’. Bei gegenseitiger Sympathie kann daraus ein ‚Freund’ werden und vielleicht auch eine Freundschaft. Denn mit der musikalischen Übereinstimmung als Grundlage ist ein Gesprächsthema garantiert. Und zwar offensichtlich ein gutes um das Gegenüber kennenzulernen: Für eine amerikanische Studie wurden 60 College-Studenten im Jahr 2005 gebeten, eine ihnen zugeteilte Person im Verlauf von sechs Wochen so gut wie möglich kennenzulernen, nur mittels schriftlicher Internet-Chats. Das mit großem Abstand häufigste Thema: Musik. Womit wir wieder bei der Frage wären, ob man vom Musikgeschmack auf den Charakter schließen kann. Dazu gibt es eine weitere interessante Studie.

Peter Rentfrow, Psychologe an der Universität Cambridge, hat vor ein paar Jahren den Musikkonsum von 3200 amerikanischen College-Studenten untersucht. Dazu bündelte er die zahlreichen Lieblingsmusiken in vier Kategorien: ‚reflexiv und komplex’, ‚intensiv und rebellisch’, ‚schwungvoll und konventionell’ sowie ‚energisch und rhythmisch’.

Außerdem füllten die Probanden einen Fragebogen zur Persönlichkeit aus. Ergebnis der Studie: Rentfrow stieß auf deutliche Korrelationen zwischen der bevorzugten Musikkategorie und persönlichen Eigenschaften wie Temperament, Aufgeschlossenheit, politischer Grundhaltung.

Im weiteren Verlauf sollten die Probanden zehn Lieblingssongs angeben und andere Studenten sollten dann Mutmaßungen über den Unbekannten anstellen. Sie lagen fast immer richtig.

Wir können also festhalten, dass es eine gewisse Verbindung zwischen Musikgeschmack und Persönlichkeit gibt. Wie, wo und wann diese Entsteht bleibt weiter offen, jedoch sollten wir uns über die Macht der Musik bewusst sein.


Links/ Quellen/ weitere Informationen:

  • Last.fm: Anmelden und Musikgeschmack mit anderen Usern vergleichen. (www.lastfm.de/user/sternchen313)
  • Studie Rentfrows: ‘Personality process and individual differences, The Do Re Mi’s of Everyday Life: The Structure and Personality Correlates of Music Preferences’: PDF-Dokument

Kategorie: Psychologie

Tags: Musik, Freundschaft, Freunde, Charakter, Charakteristik

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Zu diesem Artikel wurden bereits 4 Kommentare geschrieben:

  • Timo

    Dienstag, 01. Juni 2010, 20:26 Uhr

    Ein sehr interessanter Artikel und meiner Meinung nach bisher der Beste auf dieser Seite, ich freue mich jetzt schon auf mehr aus dieser Rubrik!
  • Sebastian Schmidt

    Mittwoch, 02. Juni 2010, 05:52 Uhr

    Da kann ich dir nur zustimmen!
    Das Thema des Artikels alleine ist schon gut gewählt und der flüssige Schreibstil sorgt für einen interessanten Lesespaß :-)
  • Pia

    Dienstag, 31. August 2010, 09:09 Uhr

    Hui, sogar mit Recherche, das wird ja richtig wissenschaftlich! schön.
  • Otto

    Freitag, 04. Februar 2011, 19:18 Uhr

    Hallo Verfasser!
    dein artikel ist hochinteresant. ich will mehr lesen!wenn man jetzt Klassik hört, ist man dann langweilig? oder einfach nur "speziell"?

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